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Seitenblick

Wer zahlt gerne Steuern?

Wäre ich Journalist bei „20 Minuten“, so würde mein Chefredakteur mich dafür prügeln, dass ich nicht nochmals das Thema zukünftige Gesellschaft und Grundeinkommen aufgreife. Das Thema läuft doch einfach zu gut und wir erhalten so viele Clicks – da muss man was nachschieben. Nun, vielleicht zu einem späteren Zeitpunkt.

Vor ein paar Tagen musste ich am Kiosk anstehen, weil ein älterer Herr seine Lottoscheine abgab, wahrscheinlich in der Hoffnung, einen Millionen-Jackpot zu knacken. In der Schlange wartend dachte ich mir, dass es unglaublich viele Menschen gibt, die gerne und freiwillig Steuern zahlen. Denn Lotto spielen ist für die meisten von uns – nämlich diejenigen, die den Jackpot nicht knacken – bekanntlich nichts anderes als ein freiwilliger Beitrag an die Staatskasse. Wenn die Anreizstrukturen richtig sind, dann zahlen wir also gerne etwas fürs Gemeinwohl.

Richtige Anreize und Marketing waren wohl auch die Basis des Erfolges unseres Auftritts an der CeBit. Fast alles, was Rang und Namen hat, ist nach Hannover gepilgert und hat den Schweizer Auftritt zu einem Erfolg gemacht.

Im Zentrum fast jeder Präsentation stand der „Schokolade und Käse-Benchmark“ – ja, wir exportieren mehr ICT als Schokolade und Käse. Erfreulicherweise waren es für einmal nicht die Bauern, die als Referenz für den Minderwertigkeitskomplex unserer Branche dienen mussten. Dass diese besser organisiert sind als unsere Branche, ist hinlänglich bekannt. Mit dem Präsidenten des Bauernverbandes haben wir in der aktuellen Ausgabe unseres Magazins einen prominenten Vertreter dieser Zunft als Interviewpartner gewinnen können – ich bin gespannt, was er zum Thema Landwirtschaft 4.0 berichten kann.

Einen Präsidenten sucht übrigens auch unser Dachverband ICTswitzerland. Ruedi Noser hat seinen Rücktritt angekündigt. Als grösste Mitgliederorganisation und Gründungsmitglied sollten wir uns Gedanken machen, wer sein Nachfolger werden soll. Vielleicht ein Thema unter „Varia“ an unserer swissICT-GV, zu der ich Sie ganz herzlich einlade.

Ruedi Noser war es auch, der die Idee des CeBit-Auftritts unseres Landes unermüdlich vorwärtsgetrieben hat, und meine Konklusion stand schon am Ende des ersten Tages fest: Es war ein Erfolg.

Nicht weil sich die Branche mal wieder getroffen hat. Auch nicht, weil die Aussteller wirklich viel Neugeschäft generiert haben (was ich bezweifle).

Nein, es war ein Erfolg, weil die Schweiz, und vor allen Dingen die politische Schweiz, sich hervorragend präsentiert hat. Treffen zwischen unserem Bundespräsidenten, der Kanzlerin und vielen wichtigen Ministern finden selten statt, und noch seltener in so freundschaftlichem Kontext.

All dies hat einen siebenstelligen Betrag gekostet und unsere Branche hat es finanziert. Ein grosses Danke an alle, die damit freiwillig „Steuern“ bezahlt haben.

Thomas Flatt ist Präsident swissICT, Unternehmer, Berater und Verwaltungsrat

(Die Kolumne "Seitenblick" erscheint monatlich im swissICT Magazin und muss nicht die Meinung von swissICT wiedergeben. Dieser Text wurde erstmals am 11.4.2016 publiziert)