Inhalt - Mai 2013

Betreten Sie neue Wege bei der Lehrlingssuche

Frank Boller

Letztes Jahr blieben schweizweit 7‘000 Lehrstellen unbesetzt. Dies trifft auch die Informatikbranche. Das bewährte duale Ausbildungssystem kommt an seine Grenzen. Verantwortlich sind die demografischen Veränderungen in der Bevölkerungsstruktur. Die Nachfrage nach Lehrlingen übersteigt das Angebot an jungen Lernwilligen – schlicht weil zu wenig Schulabgänger zur Verfügung stehen – und so wird das noch einige Jahre bleiben.

Hat es bis vor Kurzem noch an Lehrstellen gefehlt, fehlen heute die Lehrlinge und was für die gesamte Schweizer Wirtschaft gilt, gilt auch für die Informatikbranche: Informatik-Lehrlinge sind gesucht, und sie sind das Fundament unserer zukünftigen IT-Spezialisten.

Heute reicht es nicht mehr, Lehrstellen den kantonalen Berufsbildungsbehörden zu melden. Wer die besten Jugendlichen für sein Unternehmen gewinnen will, muss einen aktiven Rekrutierungsprozess einführen. Das ist Neuland für viele KMUs, die sich bis anhin auf unaufgeforderte Bewerbungen verlassen haben. Dazu kommt, dass IT hohe Ansprüche an die intellektuellen Fähigkeiten der zukünftigen Lehrlinge stellt. IT ist ein Kopfthema und da müssen die geeignetsten Interessenten gefunden werden.

Die Jugendlichen von heute sind im Netz aufgewachsen. Ihre Kommunikationskanäle sind Internet, Facebook und Mobiles. Wer sie finden will, muss in ihrer Sprache sprechen und auf ihren Kanälen präsent sein. Die Realität wird den Ansprüchen leider nicht gerecht. Hier ist Professionalisierung angesagt. Die Lehrlinge von morgen sind die Schüler von heute und wer sie erreichen will, der muss sich ins Zeug legen.

Da reicht es nicht, eine offene Lehrstelle auf der Firmenwebseite zu publizieren. Das haben ein paar innovative Jungunternehmen erkannt und bieten Vermittlungsplattformen an, die Schüler und Lehrstellenangebote zielgruppengerecht zusammenführen. Ein gutes Beispiel ist Yousty (www.yousty.ch). Hier sprechen die aktiven Lehrlinge der Unternehmen zu den Schülern und das Unternehmen wird so dargestellt, wie ein Teenager heute kommuniziert – interaktiv und auf den Punkt gebracht.

Schön, dass es die brancheneigenen Unternehmen sind, die dem Rekrutierungsmodell der IT-Lehrlinge auf die Sprünge helfen. Das stimmt zuversichtlich.

Frank Boller ist Vize-Präsident swissICT

(Erschien 08.06.2013. "Seitenblick" ist eine monatliche Kolumne von swissICT-Exponent/innen. Sie wird veröffentlicht auch im swissICT-Magazine)