Inhalt - Firmengründerin

Brigitte Ilsanker: IT-Consultant, Requirements Engineer, CEO

    • Ich bin Brigitte Ilsanker

      Brigitte Ilsanker (Foto: Markus Lamprecht)

    • Mein Job

      Typisch ist bei mir, dass es keinen typischen Tagesablauf gibt. Fix ist einzig das Einschalten des Rechners und WLAN-Routers. Typisch ist auch, dass ich viel, wirklich viel mit Kunden rede, denn Informatik ist mit sehr viel Kommunikation verbunden und ich führe eine Beratungsfirma.

      Bei mir geht es immer um Informatik und deren Zweck. IT unterstützt letztlich den Betriebszweck. Häufig werde ich beigezogen, wenn eine Firma merkt, dass ihr IT-Projekt nicht so einfach ist wie gedacht. Meine Aufgabe ist es vorerst zu verstehen, was ist der Betriebszweck meines Kunden und welche Rolle spielt die IT dabei. Ich stelle also den Firmenmitarbeitern viele Fragen, die Antworten können sich dabei auch widersprechen. Deshalb haben IT-Projekte oft schon einen Nutzen bevor ein System eingeführt wird, weil Widersprüche oder ähnliches aufgedeckt werden und manchmal zu erstaunlichen Erkenntnissen führen.

      „Man hat mich Inspektor Columbo genannt“

      Jemand hat mich der vielen Fragen wegen schon „Inspektor Columbo“ genannt, denn Informatik ist immer analytisch und in der IT muss alles eindeutig und klar sein. Erst mit eindeutigen Antworten kann ich mit dem „Requirements Engineering“ beginnen, der detaillierten Beschreibung von Anforderungen, Bedürfnissen und Erwartungen an die ICT-Lösung. Ich schreibe Spezifikationen und erstelle Diagramme nach UML (standardisierte graphische Sprache zur Beschreibung von Systemen und Software-Teilen).

      Es ist wichtig zu wissen, dass diese Beschriebe nur Teilresultate (Artefakte) sind, denn ein System ist nie fertig: Der Reifegrad der Technik erhöht sich, die Menschen entwickeln sich weiter und neue Technologien bieten sich am Markt an. Dieses „Unfertige“ hat nichts mit mangelnder Qualität zu tun, es ist eher ein Kreislauf (Software-Lifecycle).

      Manchmal programmiere ich auch, aber Programmieren ist nur ein erstaunlich kleiner Teil in der Software-Entwicklung. Ausserdem fände ich es schade, nur zu programmieren, denn die Arbeit im Team ist mir wichtig und macht Freude. Der beste Requirements Engineer ist aber derjenige, der auch umsetzen kann, was er spezifiziert hat. Damit wird man zum Software Architect, um die grundlegenden und wichtigsten Aufgaben in der Software Architektur zu erfüllen: Applikationen zu hoher Qualität zu bringen.

      „Ich traute mich anfangs nicht, Informatik zu studieren“

      Ich war im Gymnasium gut in Mathematik und Physik und ich halte dies für ein gutes Fundament für Informatik. Ich stamme aus einem kleinen Ort in den Bergen, da war bereits ein Studium speziell und ich traute mich anfangs nicht, Informatik zu studieren. So studierte ich zuerst Betriebswissenschaft und begann nach dem Vordiplom ein Informatik-Studium. Heute profitiere ich extrem von dieser Kombination.

      Ich habe anschliessend als fest angestellte Applikationsentwicklerin gearbeitet, weiter als technische Projektleiterin und als Beraterin. Nach 10 Jahren beschloss ich, mich selbständig zu machen; es war die Zeit des Internet-Hypes und so brauchte es nicht so viel Mut dazu.

      Seither führe ich mit Leidenschaft meine eigene Firma und bin glücklich dabei.

      „Mütter und Promis kokettieren damit, Mathematik blöd zu finden“

      Warum es so wenige Frauen in der Informatik gibt? Das beginnt schon in der Schule. Z.T. ist es chic, Mathematik blöd zu finden. Gerade auch Mütter oder Promis kokettieren damit. Mathematik ist die Basis der Informatik und man kann Mädchen nur dazu ermuntern, denn das Verstehen von Zusammenhängen macht Freude und ist nicht so schwer.

      Erschwerend hinzu kommt das falsche Klischée vom „Nerd“ und eine Frau will weder hässlich, noch ungepflegt sein. Ich kann Mädchen Informatik nur empfehlen, es ist der schönste und beste Beruf, den ich mir vorstellen kann.

      „Dieser Sommer war ein Traum“

      Ich bin sehr gerne im Freien und könnte nie an einem Ort leben, an dem es keine Berge und Seen gibt, darum habe ich eine Stelle in New York nicht angenommen und selbst in Winterthur waren mir die Berge zu weit weg.

      Ich bin ebenso gerne auf dem Wasser, der Zuger See ist schön, um zu segeln, zum Baden und Picknicken. Zudem bin ich eine Sonnenuntergang-Fanatikerin. Da ich mir meine Arbeitszeit selbst einteilen kann, war dieser Sommer ein Traum.

      „Mein Traum war, mit dem Computer in der Natur zu arbeiten“

      Informatik ist nie langweilig. In der IT stehen wir erst am Anfang einer Entwicklung und es geschieht viel Neues. In der IT ist es nicht so, dass Ältere mehr wissen als Jüngere, man muss lebenslang lernen und sich weiterentwickeln. Es ist ein Beruf, der viel Freude bereitet und man kann damit Geld verdienen und unabhängig sein.

      Informatik lässt sich auch hervorragend mit unterschiedlichen Lebenskonzepten kombinieren. Der Arbeitsort ist nicht immer festgelegt, gewisse Aufgaben kann man gut von zu Hause aus erledigen (remote), z.B. Wartung oder Datenbank-Administration, falls dies der Arbeitgeber unterstützt. Informatik ist global und man kann für Unternehmen auf der ganzen Welt arbeiten, anders als bei Jus oder Steuern.

      Mein Traum war immer, mit dem Computer vor einer Berghütte oder auf einem Segelboot zu sitzen, die Natur zu riechen und gleichzeitig zu arbeiten. Heute ist dies möglich.