Inhalt - Applikations-Entwickler

Victor Künzig, Applikations-Entwickler

Als Open-Source-Entwickler ist Victor Künzig nicht nur Mitarbeiter einer Schweizer Firma, sondern auch Mitglied einer weltweiten Community. Einige Zeilen Code aus seiner Feder werden in Kürze weltweit genutzt werden. Das allabendliche Gitarrespiel ist für Victor das genaue Gegenteil seines Berufs.

    • Ich bin Victor Künzig

      Porträt Applikationsentwickler

      Victor Künzig, Applikationsentwickler (Foto: Markus Lamprecht)

    • Mein Job

      "Ich kann ein Modul programmieren, das zusätzliche Funktionalitäten bietet"

      Ich muss rechtzeitig kurz vor 9 im Büro sein für unser morgendliches Kurzmeeting und dann strukturiere ich meinen Tag: was muss ich bis wann tun und wie lange habe ich vermutlich dafür. Zwischendurch gehen wir gemeinsam Mittagessen und ich arbeite bis ca. 18 Uhr als Entwickler. Ich schreibe vor allem Erweiterungen und Applikationen für Kunden, die „Drupal“ einsetzen. Das ist eigentlich ein ganzes Content Management Framework, aber wir bei Amazee Labs konzentrieren uns auf Websites und Community-Lösungen.

      Ca. 60 bis 70% arbeite ich für einen Kunden, für die OSEC, und ich kann das meiste alleine programmieren. Bei grösseren Änderungen und Weiterentwicklungen bin ich jeweils Mitglied eines Teams. „Drupal“ ist eine Open-Source-Plattform, das heisst, eine weltumspannende Community von vielen Entwicklern hat hunderte von Modulen dafür entwickelt. Wenn ein Kunde einen Wunsch hat, recherchiere ich als Erstes, ob bereits jemand anderes ein brauchbares Modul für dieses Bedürfnis programmiert hat und falls ja, kann ich es einsetzen. Oder ich kann für den Kunden ein Modul schreiben, das zusätzliche Funktionalitäten bietet, die man für das Projekt braucht.

      „Mein Beruf wird nie langweilig“

      Beim professionellen Programmieren sollte man die eigene Kreativität ab und zu zurückstellen. Wichtig ist viel mehr, dass man die allgemeinen Standards für Programmiercode respektiert und so programmiert, dass andere Drupal-Entwickler nachvollziehen können, was man geschrieben hat, denn man arbeitet ja in einer weltweiten Community mit. Ebenso wichtig ist eine gute Dokumentation.

      Wir gehen jedes Jahr an die „DrupalCon“ in Europa, eine Konferenz, um andere Entwickler zu treffen. Wir diskutieren mit ihnen über die Zukunft und wie sich Drupal weiterentwickeln soll. Ich bin „Core Committer“ für das neue Drupal 8, d.h. im Core, dem Herzstück von Drupal, ist auch ein bisschen Programmiercode von mir enthalten. Drupal 8 wird bald veröffentlicht und dürfte von Tausenden von Websites genutzt werden.

      Mein Beruf wird nie langweilig. Drupal entwickelt sich ständig weiter und ich muss alle drei Monate etwas Neues lernen. Es ist kein System, von dem man sagen kann, „das ist fertig, es funktioniert, lassen wir’s dabei“. Entsprechend kann ich bei neuen Entwicklungen immer vorne dabei sein.

      Ich mag meinen Beruf auch, weil ich meinen Arbeitsort mag. Wir sind ein starkes Team, das am gleichen Strick zieht und wir müssen auch alle auf dem gleichen Level sein. Wir gehen alle 3, 4 Monate ein Wochenende nach Gstaad und diskutieren die Zukunft, über Drupal, was es neues gibt und wie wir die nächsten Projekte anpacken wollen.

      „Man muss sehr lernfähig sein“

      In der Schule war ich gut in Englisch und in Mathematik; ich wechselte nach einem Jahr Gymi an die „Minerva“ und habe dort die Ausbildung zum Applikationsentwickler abgeschlossen. Das hiess 2,5 Jahre Ausbildung plus 2,5 Jahre Praktikum im Bereich „Web“. Informatik war für mich klar, ich habe schon früher gerne Computer zusammengebaut und Homepages mit einfachen Mitteln gemacht.

      Als Entwickler muss man sehr lernfähig sein, denn vieles ändert sich ständig. Du kannst nicht sagen „das haben wir schon immer so gemacht“. Stattdessen musst du dir sagen „hey, das probiere ich jetzt mal aus.“ Man muss Freude daran haben, Sachen zu bauen (das ist knapp kreativ). Es ist anders, als zB. ein Produkt eines Kleiderherstellers zu verkaufen: Als Entwickler kannst du etwas kreieren und bist bei der Entstehung aktiv dabei, ob es um eine komplexe Applikation geht oder um eine simple Website. Zum Beispiel habe ich an der Website für „Voice of Switzerland“ mitgearbeitet. Man muss auch Geduld haben, zum Beispiel mit Kunden, die nicht vom Fach sind und man muss genau arbeiten: wenn ich etwas nicht genau mache, dann funktioniert es nicht.

      Man muss gut mit Druck und Stress umgehen können, man darf nicht in Panik geraten, wenn es viel zu tun gibt. Wenn es eng wird, sage ich jeweils: "Everybody just needs to calm the f*** down." Wenn man etwas Anspruchsvolles auf einen Termin hin fertig schafft, geniesst man gleichzeitig ein grosses Erfolgsgefühl.

      „Gitarre spielen ist das genaue Gegenteil meines Berufs“

      Ich habe einen strukturierten Tagesablauf. Ich checke meine E-Mails immer um dieselbe Zeit, und ich lege meine Jacke immer auf denselben Stuhl. Jeden Abend um 22 Uhr lege ich das Smartphone weg und gehe in den Offline-Modus. Ich ziehe die Kopfhörer an und spiele 2,5 bis 3 Stunden Gitarre.

      Alles hat seine Zeit und am Abend muss das Macbook weg, nun hat die Gitarre Vorrang. Gitarre spielen ist das genaue Gegenteil meines Berufes; ich mag Blues, Bluesrock und Metal der gloriosen 80er Jahre wie „Ratt“ und „Van Halen“, aber ich mag auch B.B. King und Stevie Ray Vaughan.

      „Applikationsentwickler ist keine Sackgasse“

      Applikationsentwickler sollte werden, wer Spass am Web und moderner Technologie hat, und wer aktiv mithelfen will, die Technologien von morgen zu kreieren und zu bauen. Zudem ist es keine Sackgasse!

      Amazee Labs

      Die Zürcher Web-Agentur hat sich auf Websites mit „Drupal“ und Community-Lösungen spezialisiert. Die Firma Amazee gewann 2009 den „Swiss ICT Award“ in der Kategorie „Newcomer“. Amazee beschäftigt 15 Mitarbeitende.